//Wie geht es beim Matratzen-Startup Emma weiter?

Wie geht es beim Matratzen-Startup Emma weiter?

Sieben Jahre nach dessen Start übernimmt das Duisburger Familienunternehmen Haniel die Mehrheit an Bettzeit, der Firma hinter der Matratzen-Marke Emma. Die Bettzeit-Gründer Manuel Müller und Dennis Schmoltzi halten jetzt jeweils 24,95 Prozent und bleiben weiterhin CEOs. Im Gespräch mit Gründerszene verrät Mitgründer Schmoltzi, wieso der Verkauf gerade jetzt passierte, was er sich vom neuen Eigentümer erhofft und ob seine Firma trotz oder gar wegen der Corona-Krise sein Umsatzziel von 200 Millionen Euro schaffen kann.

Dennis, gerade erst hat euer neuer Eigentümer, das Duisburger Familienunternehmen Haniel, vor erheblichen negativen Auswirkungen durch die Corona-Krise gewarnt. Jetzt folgt schnell die Übernahme von Emma – kam der Deal aufgrund der Krise zustande?

Nein. Wir waren bereits seit Januar mit Haniel in Gesprächen. Das Interesse bestand also schon lange, bevor die Auswirkungen des Virus absehbar waren. Natürlich passt das gerade sehr gut. Die stationären Händler haben geschlossen, Matratzen kann man derzeit nur über das Internet kaufen.

Heißt das, euer Geschäft läuft gerade gut?

Wir wachsen ja schon seit einiger Zeit gut, und dieses Wachstum setzt sich fort. Vor allem in den europäischen Ländern, in denen Matratzen bisher fast ausschließlich im Geschäft gekauft wurden, Italien, Spanien oder Portugal zum Beispiel, wird sich der Shift hin zum Online-Geschäft beschleunigen. Deswegen sind wir davon überzeugt, dass die Krise auch Vorteile für uns haben wird.

Der Börsenzeitung hast du aber gerade gesagt, dass die Corona-Krise bislang keine großen Auswirkungen auf die Geschäftszahlen hatte.

Es ist natürlich nicht ganz einfach, nach so kurzer Zeit bereits das organische Wachstum und Effekte der Krise sauber zu differenzieren. Weder werden wir unser Ziel von 200 Millionen Euro Umsatz nach oben korrigieren, noch erwarten wir einen Dämpfer. Dennoch werden sich durch die Krise Märkte schneller in Richtung Online-Geschäft orientieren. Das kann man aber jetzt noch nicht in den Zahlen sehen.

Mit dem Deal habt ihr Haniel als Mehrheitsgesellschafter, der damit auch das Sagen hat. Dennoch redet ihr nicht gerne von einem Verkauf. Warum?

Haniel war es wichtig, die 50,1 Prozent zu übernehmen. Also haben wir den Deal entsprechend strukturiert. Genau so wichtig ist allerdings, wie beide Seiten in Zukunft agieren und welche Freiheiten wir als Gründer haben. Wir halten zusammen die restlichen Anteile, also einen fast gleich großen Anteil, und bleiben auch weiterhin im Lead. So sind wir mit Haniel übereingekommen.


Was passiert gerade auf dem einst gehypten Matratzen-Markt?

Casper, Emma & Co.:

Was passiert gerade auf dem einst gehypten Matratzen-Markt?

Seitdem 2013 der Hype um Matratzen-Startups begann, ist viel passiert – Milliardenbewertungen, Millionenumsätze. Wir haben uns angeschaut, wie die Firmen heute dastehen.

Wieso kommt der Verkauf gerade jetzt, wo Emma ja gut wächst und die Perspektiven deiner Darstellung nach weiterhin sehr positiv sind?

Aus Sicht der Firma ergibt das viel Sinn, nicht nur weil Emma strategisch gut zu Haniel passt. Wir haben uns auch vorher schon überlegt, wie wir uns auf Shareholder-Seite auf das nächste Level bringen können. Mit dem Deal haben wir unsere Gesellschafterstruktur sehr stark vereinfacht. Zuvor hatten wir rund 60 Investoren, von „Family & Friends“ bis zu großen Investoren wie dem HTGF, die größtenteils schon seit langer Zeit engagiert waren und für die der richtige Zeitpunkt für einen Ausstieg gekommen war. Jetzt haben wir für größere Zukäufe, Investitionen oder Markterschließungen auf Gesellschafterseite nur noch einen Ansprechpartner.

Ihr werdet immer wieder mit Casper verglichen. Das US-Startup hat 2019 bei einem Umsatz von 312 Millionen Dollar 67 Millionen Dollar verloren, die Börsenbewertung ist von einer halben Milliarde auf 170 Millionen Dollar gesunken. Emma machte zwar nur halb so viel Umsatz, hat 2019 aber einen kleinen Ebit-Gewinn verbucht. Was macht ihr anders?

Wir haben eine ganz andere Ausgangsbasis als Casper. Die ersten beiden Jahre haben wir nur mit eigenem Geld gewirtschaftet, auch insgesamt haben wir nur fünf Millionen Euro an Eigenkapital aufgenommen. Damit waren wir gezwungen, immer sehr effizient zu sein. Und immer das Geldverdienen im Hinterkopf zu haben.

Was heißt das konkret?

Wir investieren viel in die Produktentwicklung und die Produktqualität. In vielen Ländern wurden wir bei den wichtigsten Verbraucherorganisationen schon als Testsieger ausgezeichnet, in Deutschland etwa bei der Stiftung Warentest*. Außerdem achten wir genau auf die Customer Journey und stellen uns auf die individuellen Anforderungen in jedem Land ein. In Spanien arbeiten wir viel enger mit dem Handel zusammen als in Großbritannien, weil die Marktverhältnisse online gegenüber offline ganz unterschiedlich sind. All das bringt Effizienz, vom Marketing bis zur Retourenquote.

Seit einer Weile tretet ihr als The Sleep Company auf, weil es für euch in Zukunft nicht mehr nur um Matratzen gehen soll. Du hattest zuletzt ein neues Produkt für Anfang 2020 in Aussicht gestellt. Gibt es da Verzögerungen?

Wir wollen das neue Produkt zusammen mit dem Handel herausbringen. Da der gerade geschlossen ist, müssen wir noch etwas abwarten. Wir wollen das nicht einfach auf den Markt werfen. Den Kunden ein neues Produkt zu erklären, ist online oft schwieriger als offline, wo sie es sich genau ansehen können.

Euer Ziel für 2020 ist ein Umsatz von 200 Millionen Euro, was ein Wachstum von einem Drittel gegenüber dem Vorjahr wäre. Wie wollt ihr dort hin kommen?

Wir sind derzeit in 21 Ländern aktiv, voraussichtlich im Mai wird mit Südkorea das 22. hinzukommen. Das gibt uns noch viele Wachstumsmöglichkeiten. In einigen Ländern, Spanien zum Beispiel, werden heute nur fünf Prozent der Matratzen online gekauft – dort erwarten wir ein starkes Marktwachstum. Aber auch in stärker digitalisierten Märkten wie Deutschland und Großbritannien bauen wir zurzeit unsere Marktanteile aus.

Rechnet ihr im Zuge der Corona-Krise mit Ausfällen in der Produktion? Lieferketten sind ja derzeit nicht immer zuverlässig.

Wir gehen nicht davon aus. Wir lassen in über zehn Fabriken in Europa produzieren und es gibt für jedes Produkt einen Backup-Plan. Auch unsere Zulieferer haben wiederum mehrere Bezugsquellen. Es gab tatsächlich wegen eines Corona-Falls einen kurzen Ausfall einer Fabrik. Aber so etwas können wir ausgleichen, indem wir die Kapazitäten andernorts hochfahren.

Du sprachst mehrfach davon, dass der stationäre Handel für euch nach wie vor wichtig ist. Dieses Geschäft liegt derzeit brach. Ist in diesen Geschäftsbereichen Kurzarbeit für euch ein Thema?

Natürlich müssen wir darüber nachdenken. Aber es würde nur eine Handvoll Personen im ganzen Unternehmen betreffen. Auf der anderen Seite haben wir bei rund 350 Mitarbeitern immer noch etwa 100 offene Stellen zu besetzen. Es liegt also näher, die Leute vorübergehend an einer anderen Position im Unternehmen einzusetzen.

Bild: Bettzeit